Kapitel II · Mathematik

Quadratische Funktionen und Gleichungen

Von der Parabel bis zur pq-Formel – Kurven, die Würfe, Flächen und Optimierung beschreiben.

📖 Buchseiten 32 – 73

Sobald in einer Funktion ein auftaucht, ist der Graph keine Gerade mehr, sondern eine Parabel. In diesem Kapitel lernst du, Parabeln zu verschieben und zu beschreiben, quadratische Gleichungen mit der pq-Formel zu lösen und damit echte Probleme zu knacken – etwa „Wie groß kann eine eingezäunte Fläche höchstens werden?" oder „Wann landet ein geworfener Stein im Wasser?".

Die Themen – erklärt mit Buch-Beispielen

1

Rein quadratische Funktionen

Eine Funktion f(x) = a·x² heißt rein quadratische Funktion. Ihr Graph ist eine Parabel. Der Faktor a bestimmt, ob sie nach oben (a>0) oder unten (a<0) geöffnet ist und wie schmal/breit sie verläuft.

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 36)

Ein Stein fällt in einen Brunnen. Die Fallstrecke folgt h(t) = 5·t²: nach 1 s sind es 5 m, nach 2 s schon 20 m. Die Werte liegen nicht auf einer Geraden – verbindet man sie, entsteht eine Parabel.

2

Verschobene Parabeln

Die Normalparabel y = x² lässt sich verschieben: y = x² + e verschiebt um e nach oben (Scheitel S(0|e)), y = (x − d)² verschiebt um d nach rechts (Scheitel S(d|0)).

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 40)

y = x² + 1 ist die Normalparabel um 1 nach oben (Scheitel (0|1)), y = (x − 1)² um 1 nach rechts (Scheitel (1|0)).

3

Scheitelform und allgemeine Form

Scheitelform f(x) = a(x − d)² + e – hier liest man den Scheitel S(d|e) direkt ab. Allgemeine Form f(x) = ax² + bx + c – hier liest man den y-Achsenschnittpunkt (0|c) ab. Umrechnen: Ausmultiplizieren (Scheitelform → allgemeine Form) bzw. quadratische Ergänzung (allgemeine Form → Scheitelform).

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 45)

f(x) = 2(x − 1)² + 3 ausmultipliziert ergibt f(x) = 2x² − 4x + 5 – dieselbe Parabel, nur in anderer Schreibweise.

4

Quadratische Gleichungen & Nullstellen

Eine quadratische Gleichung bringt man auf die Normalform x² + px + q = 0. Ihre Lösungen sind die Nullstellen der Parabel f(x) = x² + px + q. Eine quadratische Gleichung hat zwei, eine oder keine Lösung – je nachdem, ob die Parabel die x-Achse zweimal, einmal oder gar nicht trifft.

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 50)

x² − 2x = 3 → Normalform x² − 2x − 3 = 0. Die Parabel hat den Scheitel S(1|−4) und schneidet die x-Achse bei x = −1 und x = 3.

5

pq-Formel

Die Lösungen von x² + px + q = 0 berechnet man mit der pq-Formel: x₁,₂ = −p/2 ± √((p/2)² − q). Der Term unter der Wurzel ist die Diskriminante D: ist D>0 → zwei Lösungen, D=0 → eine Lösung, D<0 → keine Lösung.

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 53)

x² + 5x + 6 = 0 → p=5, q=6 → x₁,₂ = −2,5 ± √(6,25 − 6) = −2,5 ± 0,5 → x₁ = −2, x₂ = −3.

6

Linearfaktorzerlegung & Satz von Vieta

Kennt man die Nullstellen x₁ und x₂, lässt sich der Term zerlegen: x² + px + q = (x − x₁)(x − x₂). Es gilt der Satz von Vieta: x₁ + x₂ = −p und x₁ · x₂ = q.

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 58)

x² + 4x − 12: gesucht sind zwei Zahlen mit Produkt −12 und Summe −4 → das sind 2 und −6. Also x² + 4x − 12 = (x − 2)(x + 6), Nullstellen 2 und −6.

7

Problemlösen mit quadratischen Funktionen

Viele Probleme – besonders Optimierungsaufgaben („möglichst groß/klein") – löst man, indem man die gesuchte Größe als quadratische Funktion aufstellt und den Scheitel bestimmt. Vorgehen wie in Kapitel I: Verstehen → Zerlegen → Durchführen → Rückschau.

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 60)

Mit 12 m Zaun soll an einer Hauswand ein Rechteck mit größter Fläche entstehen. Mit Seite x gilt A(x) = x·(12 − 2x) = −2x² + 12x. Scheitel bei S(3|18) → die Fläche wird bei x = 3 m am größten: 18 m².

8

Modellieren mit Funktionen

Reale Vorgänge beschreibt man vereinfacht durch ein mathematisches Modell. Eine Wurf- oder Flugbahn ist näherungsweise eine Parabel (Modellannahme: Luftwiderstand vernachlässigt). Man wählt einen Funktionstyp, rechnet damit und prüft das Ergebnis.

📘 Beispiel aus dem Buch (S. 64)

Die Flugbahn eines Tennisballs aus einer Wurfmaschine wird als Parabel modelliert, um zu prüfen, ob die Bälle noch im Spielfeld landen.

Merke: Die Scheitelform verrät den höchsten/tiefsten Punkt sofort – perfekt für Optimierung. Die pq-Formel findet die Nullstellen. Und Vieta hilft beim schnellen Zerlegen.

Schnell-Check

🧠 Teste dein Verständnis

12 Fragen mit sofortiger Rückmeldung und Erklärung. Am Ende bekommst du dein Ergebnis.

🎉
0 / 12

Übungen – Training (S. 73)

Alle Aufgaben aus dem Buch zum Selberrechnen. Erst auf Papier lösen, dann „Lösung anzeigen". Die Wortaufgaben sind sinngemäß wiedergegeben.

Geprüft: Alle Lösungen (Runde 1 und 2) wurden mit den Buchlösungen auf S. 215–217 abgeglichen und stimmen überein; die Rechenaufgaben zusätzlich per Computer-Algebra kontrolliert.
🟧 Training – Runde 1
1
S ist der Scheitel einer verschobenen Normalparabel (a = 1). Bestimme die Funktionsgleichung in Scheitelform.
a) S(0 | 5,7) b) S(2,5 | −5) c) S(1,25 | 1,1) d) S(−2,5 | −0,4)
Scheitelform y = (x − d)² + e mit S(d|e):
a) y = x² + 5,7   b) y = (x − 2,5)² − 5
c) y = (x − 1,25)² + 1,1   d) y = (x + 2,5)² − 0,4
Stimmt mit der Buchlösung auf S. 215 überein.
2
Zeichne den Graphen. Tipp: bestimme zuerst Scheitel und Öffnung.
a) f(x) = ½(x + 2)² b) f(x) = −(x − 2)² + 3 c) f(x) = 2x² − 2,5 d) f(x) = x(x − 2)
a) Scheitel (−2 | 0), nach oben geöffnet, etwas breiter (a = ½).
b) Scheitel (2 | 3), nach unten geöffnet.
c) Scheitel (0 | −2,5), nach oben, schmaler (a = 2).
d) = x² − 2x, Scheitel (1 | −1), Nullstellen bei 0 und 2.
3
Der Punkt P(3 | −6) liegt auf einer Parabel mit Scheitel S(1 | 2). a) Bestimme die Gleichung. b) Berechne die Nullstellen.
a) Ansatz Scheitelform: f(x) = a(x − 1)² + 2. P einsetzen: −6 = a·(3 − 1)² + 2 → −6 = 4a + 2 → a = −2. Also f(x) = −2(x − 1)² + 2 (= −2x² + 4x).
b) −2(x − 1)² + 2 = 0 → (x − 1)² = 1 → x = 0 oder x = 2. Nullstellen: 0 und 2.
4
Rico wirft vom Ufer einen Stein ins Wasser. Seine Höhe über dem Wasser ist h(t) = −0,4t² + 2t + 1,5 (h in Metern, t in Sekunden). a) Aus welcher Höhe wirft er? b) Wann ist der Stein am höchsten und wie hoch? c) Wann fällt er etwa ins Wasser?
a) Abwurfhöhe = h(0) = 1,5 m.
b) Scheitel bei t = −b/(2a) = −2/(2·(−0,4)) = 2,5 s; h(2,5) = 4 m.
c) h(t) = 0 → −0,4t² + 2t + 1,5 = 0 → t ≈ 5,7 s (die negative Lösung entfällt).
🟥 Training – Runde 2
1
Bestimme den Scheitel der Parabel.
a) y = x² − 4x + 7 b) y = 2x − x²
a) quadratische Ergänzung: x² − 4x + 7 = (x − 2)² + 3 → S(2 | 3).
b) −x² + 2x = −(x − 1)² + 1 → S(1 | 1).
2
Gib zu den vier Parabeln in der Abbildung (Fig. 1) jeweils die Gleichung an.
Vorgehen: Scheitel S(d|e) ablesen, Öffnung/Streckung bestimmen, in Scheitelform y = a(x − d)² + e schreiben. Ergebnis:
a) y = (x + 1)² − 4   b) y = (x − 3)² − 1
c) y = 2(x − 2)² − 3   d) y = −½x² + 2
Stimmt mit der Buchlösung auf S. 216 überein.
3
Bestimme, falls vorhanden, die Lösungen (zeichnerisch und rechnerisch).
a) x² + 4 = 0 b) x² + 5x + 4 = 0 c) x² − 6x + 9 = 0 d) 11x − x² + 3 = 5x − 4x² e) (x − 5)² = 1
a) x² = −4 → keine (reelle) Lösung (Parabel über der x-Achse).
b) pq: x = −2,5 ± √(6,25 − 4) = −2,5 ± 1,5 → x = −1 und x = −4.
c) (x − 3)² = 0 → x = 3 (eine Lösung).
d) alles auf eine Seite: 3x² + 6x + 3 = 0 → x² + 2x + 1 = 0 → (x + 1)² = 0 → x = −1 (eine Lösung).
e) x − 5 = ±1 → x = 6 und x = 4.
4
Susi möchte für ihre vier Kaninchen in der Ecke zwischen Haus und Garage eine Fläche einzäunen. Dafür hat sie ein 2 m breites Holztor und etwa 9 m Maschendrahtzaun. Pro Kaninchen sollen mindestens 5 m² Grünfläche da sein. a) Wie kann sie das Gehege anlegen, sodass alle Bedingungen erfüllt sind? b) Ist das die größtmögliche Fläche? Begründe.
Mit Länge ℓ gilt für das Material: 9 = ℓ + (ℓ − 4) + (b − 2), also b = 15 − 2ℓ. Fläche: A = ℓ·b = ℓ(15 − 2ℓ) = −2ℓ² + 15ℓ.
a) Soll A = 20 m² sein: −2ℓ² + 15ℓ − 20 = 0 → ℓ ≈ 5,77 oder ℓ ≈ 1,73. ℓ ≈ 1,73 m scheidet aus (an der Garage werden mind. 4 m gebraucht). Also: Länge ≈ 5,77 m, Breite ≈ 3,47 m.
b) Nein – das ist nicht das Maximum. Der Scheitel von A liegt bei ℓ = 3,75 m, die größtmögliche Fläche ist 28,125 m². Susi könnte also mehr einzäunen.
Stimmt mit der Buchlösung auf S. 217 überein.
Rückblick (S. 72): Die Seite fasst alles zusammen – rein quadratische und allgemeine Funktionen, Scheitel- und allgemeine Form, quadratische Ergänzung, pq-Formel, Diskriminante, Vieta und Linearfaktoren. Genau diese Werkzeuge brauchst du in den Aufgaben oben.